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Wie die Familie Davaz ins Fläscher Feld kam

Unser Weingut befindet sich im Fläscher Feld zwischen Maienfeld und Fläsch. Doch wie kam es dazu, dass wir fernab vom Dorf eine Rebsiedlung errichten konnten? Die Geschichte, wie die Familie Davaz ins Fläscher Feld kam in Nenis (Hans Davaz sel.) Worten aus seinen im Jahr 2012 verfassten Memoiren «Ich werde Weinbauer»:

«Während die Lebensmittel weitgehend selbst produziert wurden, gab es Barausgaben im Familienbetrieb, die jährlich wiederkehrten und oft Sorgen machten. […] Neuanschaffungen erlaubte man sich nur in guten Weinjahren; Entlehnen von Gebrauchsgegenständen wie Werkzeuge, Wagen oder Zugtiere wie Pferde und Ochsen gehörten zur Tagesordnung. […] Verschiedene junge Bauern hatten das Dorf schon verlassen. Die Aussicht, eine Existenz aufzubauen, war gering, die bäuerliche Perspektive gleich null. Um die Existenzgrundlage zu verbessern, wäre mehr Kulturland vonnöten gewesen und die vielen Magerheuwiesen hätten intensiver genutzt werden müssen. […] Ein weiterer Nachteil der Bewirtschaftung der Betriebe war, wie schon erwähnt, die grosse Parzellierung der Grundstücke. Es gab pro Familie bis zu 60 Grundstücke zu bewirtschaften.

[…] Im Hause Hermann redete man hinter vorgehaltener Hand von einer Güterzusammenlegung, und dies Ende der 50er-Jahre. Doch bis zu deren Verwirklichung floss noch viel Wasser den Rhein hinunter. Das Wort Melioration enthielt so viel Explosionskraft, dass man gleich an eine Dorfrevolution denken musste, und zwar für Freund und Gegner. Der eine schrie: «Kommt nicht infrage!» und der andere war gefordert, sich ein Bild von der Zukunft auszumalen. Auch das war kein leichtes Unterfangen. Alle Fantasien und Wünsche mussten doch mit der Realität im Zusammenhang stehen. Fachvorträge und Exkursionen in andere Landesteile, wo man Vergleiche ziehen und überprüfen konnte, waren angesagt. So erinnere ich mich an den Volg-Ausflugnach Guntmadingen im Kt. Schaffhausen und Eglisau, wo mich die «Rebsiedlung Pircher» dermassen in Bann zog, dass mich der Gedanke, eine solche für unsere Familie aufzubauen, nicht mehr losliess.[…]

Im November des Jahrs 1966 fand die denkwürdige Abstimmung statt. Mit 179:48 Stimmen hatte man sich für die Melioration entschieden. Ein grosser Stein war von unseren Herzen gefallen, aber noch viele mussten im Verlaufe der nächsten Jahre weggeräumt werden. […] Für Fläsch war eine neue Zeitepoche angebrochen. Erst musste eine Meliorations-Genossenschaft geschaffen und ein Vorstand gewählt werden. […] Mit grossem Eifer wurden die Vorarbeiten in die Wege geleitet. Sämtliche Grenzsteine (Marchen) mussten offengelegt und gezeichnet werden, und dann konnten von einem Vermessungsflugzeug aus die vielen Hundert Grundstücke registriert und gemessen werden. Für die Landwirte stellte sich die entscheidende Frage, wie sieht mein Betrieb in der Zukunft aus? Für uns war alles klar. Wir wollten eine Rebsiedlung! […]

Nach 3-jähriger gefrässiger Traxarbeit lag uns das Fläscher Feld nun arg gebeutelt zu Füssen und uns zukünftigen Weinbauern kam die Aufgabe zu, daraus Weinberge herzurichten. Wir gründeten eine Genossenschaft mit Verantwortlichen, um gemeinsam 2700 Kubikmeter kleine und grosse Steine wegzuführen, Stickel und Pfähle zu kaufen und in Reih und Glied einzuschlagen und schliesslich an jeden Stickel eine Rebe zu pflanzen. […] Unsere Rebsiedlung existierte nun schon seit Jahren in unserem Denken. Das Wie und Wo stand im Machtbereich anderer. Doch wir spürten, dass die Realität in greifbare Nähe rückte und niemand zweifelte daran. Am 19. Januar 1976 rollte der Traktor mit Brückenwagen und aufgehäuften Möbeln, Frau und unseren 5 Kindern ins Feld in die Porta Raetia. Freude und Tränen hielten sich die Waage.»